Die Spartaste: Wasser sparen um jeden Preis?

Die Spartaste an der Toilettenspülung ist aus modernen Haushalten kaum wegzudenken. Seit einigen Jahren tritt diese Funktion ihren Siegeszug auch über Europa hinaus in Nordamerika an. Deutschland ist bei der Wassereinsparung in Europa Spitzenreiter – eigentlich ein Grund zur Freude. Doch die Folgen haben unerwartete Schattenseiten.

Vorsicht vor der Spartaste

Gerade haben wir den Weltwassertag hinter uns, und mit ihm eine Reihe spannender Aktionen weltweit, mit denen Menschen für das Thema Wasser sensibilisiert werden sollen. Da klingt eine kritische Auseinandersetzung ausgerechnet mit der Spartaste geradezu ironisch – spielt ein erhöhter Wasserverbrauch denn nicht den Wasserwerken in die Hände? Mitnichten, denn die Auswirkungen der Spartaste auf die Wasserwirtschaft waren zum Zeitpunkt ihrer Einführung unvorhersehbar. So wurde in den 1970er Jahren die Infrastruktur der Wasserversorgung für eine verschwenderische Zukunft gebaut. Tatsächlich ging man damals von einem Pro-Kopf-Verbrauch auf, der knapp das Doppelte des tatsächlichen Verbrauchs beträgt.

Seit Anfang der 1990er Jahre hat sich der durchschnittliche Wasserverbrauch in Deutschland um gut ein Fünftel reduziert, und der Trend bricht nicht ab. Die Spartaste war eine von vielen Maßnahmen, der zukünftigen Ressourcenverschwendung entgegenzusteuern. Statt der üblichen ca. 16 Liter spült eine Toilette mit der Spartaste nur knapp 3 Liter in die Kanalisation. Die Folge: Das Rohr wird nicht richtig durchgespült. In der Kanalisation verklumpen sich in die Toilette geworfene Abfälle zu unangenehmen Haufen und verstopfen das Kanalnetz. Wenn das “große Geschäft” wegen mangelnder Spülung nicht korrekt abgeführt wird, kann es sich auf lange Sicht im Rohr stauen. Die Rohrsubstanz nimmt Schaden, früher oder später kommt es zu einer Verstopfung der unangenehmsten Sorte.

Aber was ist mit der Umwelt?

Seit langen Jahren steht die Behauptung im Raum, dass Wasser sparen um jeden Preis bei uns in Deutschland diese wertvolle Ressource freimacht für Länder, die zu wenig davon haben. Das ist dahingehend trügerisch, dass unser gespartes Wasser nicht magisch Wasser in Afrika herzaubert. Gleichzeitig schädigen wir unserer eigenen Umwelt. Beispiel Berlin: Durch krampfhaftes Wassersparen steigt der Grundwasserpegel stetig an.

In Zukunft könnte sich der Boden unter tausenden Gebäuden in einen Sumpf verwandeln. Kostenpunkt für die Behebung dieses Ärgernisses: 50 Millionen Euro – pro Jahr. Um die Rohrleitungen freizuhalten, spülen Klärwerke tausende Liter Trinkwasser durch das Kanalnetz. Der Spareffekt durch die berühmte Taste ist dadurch negiert. Denn in den Rohren darf das Wasser nicht stehen. Andernfalls droht eine Fäulnis, mit der sich das Wasser durch die Betonleitungen ätzen würde. Neben dem hygienischen Aspekt schmutziger Rohre entwickelt stehendes Wasser auf Dauer einen üblen Gestank. Letztendlich schaden Sie mit der Spartaste also vor allem einem: nämlich Ihrer eigenen Entwässerungsanlage.

Umweltschutz: Jeder kann mithelfen

Der Umwelt helfen und ganz im Sinne des Weltwasssertages etwas Gutes tun können Sie trotzdem. Das fängt zum Beispiel damit an, keine Abfälle das Klo herunter zu spülen. Tampons, Feuchttücher und Essensreste gehören grundsätzlich in den Mülleimer, nicht in die Schüssel. Zudem verstecken sich Umweltsünder im Haushalt nicht in der Toilette, sondern überall dort, wo Wasser mit hohem Energieaufwand erwärmt wird. Der schadhafte Wasserverbrauch fängt für uns in Deutschland woanders an, beispielsweise im Supermarkt. Erdbeeren oder Tomaten aus Spanien etwa, die mit einem riesigen Wasserverbrauch gewonnen werden, sind ebenso eine “unsichtbare Verschwendung” wie viel Kaffee oder Baumwolle. An diesen Stellen fängt der verantwortungsvolle Umgang mit der Ressource Wasser an – nicht an der Toilettenspülung.

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