Urin – eine nachhaltige Ressource?

Wir haben kürzlich eine wissenschaftliche Nachricht („The urine revolution: how recycling pee could help to save the world„) aufgegriffen, die unseren Arbeitsbereich tangiert und deren Entwicklung einen großen Beitrag zum Umweltschutz leisten soll.

Wir alle tragen jeden Tag eine wertvolle Ressource mit uns herum – und denken meist gar nicht darüber nach. Das liegt mitunter am heutigen Hygieneverständnis, denn die Rede ist vom menschlichen Urin. Der ist nahezu ein Tabuthema, obwohl in ihm viel mehr steckt als nur Abfall. Vor der Entwicklung moderner Toiletten fand Urin über lange Zeit unterschiedliche Verwendung. So wurde er im antiken Rom gesammelt und als Reinigungsmittel eingesetzt. Die dafür gesammelten Mengen sollen so groß gewesen sein, dass Kaiser Vespasian darauf eine Urinsteuer für die Nutzung öffentlicher Toiletten erhob. Mit dem übelriechenden Geschäft konfrontiert soll er gesagt haben, „Geld stinkt nicht“ – ein Sprichwort, das sich über Jahrtausende gehalten hat. Die Verwendung von Urin als Reinigungsmittel dagegen nicht.

Anders sieht es bei der Verwendung als Düngemittel aus. So enthält menschlicher Urin erhebliche Mengen an Kalium, Phosphor und Stickstoff. Der weltweite Bedarf dieser Stoffe für Düngemittel ist erheblich. Umso auffallender ist, dass Menschen ein gutes Stück dieses Bedarfs selber decken könnten, es aber nach wie vor nicht tun. Bisweilen hängt das mit Urin als Tabuthema zusammen. Insbesondere Industrienationen haben sich daran gewöhnt, dass Abwasser ein zutiefst privates und fernes Thema ist. Moderne Toiletten erfüllen dieses Bedürfnis nahezu geruchsfrei und leise. Dank ausgeklügelter Kanalisation muss hierzulande niemand noch groß darüber nachdenken, wo das Abwasser hingeht und was damit passiert.

Von Abwasser zu Trinkwasser

Dass sich ein Blick über den Tellerrand lohnt, beweisen experimentelle Projekte schon seit einigen Jahren. So trat etwa Bill Gates 2012 mit einem Investment in den sogenannten Omni Processor auf den Plan. Das Gerät soll Abwasser so verarbeiten, dass Fäkalien und Wasser getrennt werden und das Wasser mit etwas Bearbeitung trinkbar wird.
In der Talkshow Last Night With Jimmy Fallon forderte Gates den namensgebenden Moderator auf, den Unterschied zwischen handeslüblichem Wasser und Wasser aus dem Omni Processor zu erschmecken. Ein erstaunter Fallon musste dann feststellen, dass beide Probegläser mit dem Wasser des Omni Processors gefüllt waren – geschmacklich waren sie von Wasser aus dem Supermarkt nicht unterscheidbar.

Noch weiter geht das Projekt 374Water der amerikanischen Duke University. Aus einer Tonne Abwasser wollen die Forschenden dank neuer Methoden bis zu 900 Liter Wasser gewinnen, das sich anschließend zu Trinkwasser verarbeiten lässt.

Kommt die High-Tech-Toilette auch zu uns?

Konzepte für Toiletten, die selbstständig Urin von Fäkalien trennen, gibt es mittlerweile eine ganze Menge. Zur Marktreife sind sie allerdings noch nicht gelangt. Unter anderem liegt das auch daran, dass Industrieländer wie Deutschland bereits sehr gut ausgebaute Kanalnetze haben. Mal eben so eine komplett neue Infrastruktur für Zukunftstechnologien aus dem Boden zu stampfen, ist da eher unrealistisch. Es wird deshalb wohl noch eine ganze Weile dauern, bis spezielle Toiletten für die Verarbeitung von Urin auch bei uns verfügbar sind. Gerade deshalb ist es aber so wichtig, sich die Bedeutung dieses wertvollen Rohrstoffs vor Augen zu führen.  Denn letztendlich hängen Produkte, die durch menschlichen Urin gewonnen wurden, auch am guten Willen der Verbraucher ab. Momentan spielen solche Technologien in Deutschland noch keine Rolle – in Zukunft könnte sich das allerdings ändern. Dann wird es auch an uns allen liegen, der nachhaltigen Ressource Urin eine Chance zu geben. Wir werden diese Entwicklung mit Spannung beobachten.

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